Georgia Jeschke
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Bewirbt städtischer Flyer verherrlichenden Dokumentarfilm aus der Zeit des Stalinismus der Sowjetdiktatur?

10.10.2015

Landeshauptstadt Hannover: Diktaturverherrlichung als „revolutionäre Wende zur Moderne“?

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In der „Ratspost“ findet sich vielfältiges Material, so auch der aktuelle Flyer des Künstlerhauses der Landeshauptstadt Hannover. Der ist grafisch immer gut gemacht und es sind auch durchaus interessante Filmprojekte dabei.

Im aktuellen Flyer wird ein Dokumentarfilm beworben „Ein Sechstel der Erde“ von Dziga Vertov, UDSSR, 1926. Ich las meiner Familie beim Frühstück vor: „ ...kunstvoll montiert aus Material der von Vertov in alle sowjetischen Regionen entsandten Filmkorrespondenten. Sie sind euphorische Boten der revolutionären Wende zur Moderne im „sechsten Teil der Erde“

Es gab Millionen Tote durch stalinistische Säuberungsaktionen!

Schnell kam aus der Familie die Frage, ob die Formulierung „revolutionären Wende zur Moderne“ für die damalige Zeit überhaupt zutrifft. Schließlich lernt man in der Schule, dass es unter Stalin seit den 1920er-Jahren sogenannte „Säuberungsaktionen“ gab, die sich gegen Regimekritiker und ethnische Minderheiten richteten. Die Opfer wurden entweder direkt exekutiert, starben in Straflagern (GULAG) oder während ethnischer Deportationen.

Auf der Suche nach der notwendigen zeitkritischen Einordnung des Films las ich mehrfach den Flyer durch. Eine kritische Reflektion der Sowjetdiktatur in Zeiten des Stalinismus fand ich nicht.

Mein Standpunkt

Für eine zeitkritische, politische Auseinandersetzung mit Diktaturen kann es sinnvoll sein, sich diesen Film anzusehen. Der von großer Bewunderung des Filmes getragene Ankündigungstext lobt die Darstellung von „vielgestaltigen Kulturen der Ethnien“ Dem stehen tatsächlich ethnische Säuberungen und Deportationen gegenüber. Gegner der Sowjetdiktatur und Minderheiten wurden nachweislich unter Stalin exekutiert, in Straflager verbannt (GULAG) oder deportiert. Das ist definitiv keine „revolutionären Wende zur Moderne“. Auch konnte der Dokumentarfilmer Vertov zu Zeiten Stalins wohl kaum in alle sowjetischen Regionen Filmkorrespondenten entsenden, wenn er sich etwa kritisch mit dem Regime auseinander gesetzt hätte. Auch bei Wikipedia findet man den Hinweis, dass Vertov „agitatorische Wochenschauen“ oder „ längere, teils propagandistische Dokumentarfilme“ produzierte.

Angesichts dieser Tatsachen, wirkt dieser unreflektierte Ankündigungstext auf mich wie eine Verherrlichung des „jungen Sowjetstaates“, also der Tod bringenden Sowjetdiktatur im Stalinismus.

Das lehne ich entschieden ab.

Die Landeshauptstadt Hannover und ihre Einrichtungen müssen sich von jeder Form von Diktatur eindeutig distanzieren.

Landeshaupstadt Hannover - Flyer des Künstlerhauses

„Ein Sechstel der Erde ist ein filmisches Manifest aus dem Jahre 1926, kunstvoll montiert aus Material der von Vertov in alle sowjetischen Regionen entsandten Filmkorrespondenten. Sie sind euphorische Boten der revolutionären Wende zur Moderne im „sechsten Teil der Erde“...

...Eine Exkursion des "Kino-Auges" bis an die Grenzen des damaligen Sowjetreiches, ein genuiner Blick auf die vielgestaltigen Kulturen der Ethnien und die Produktion im jungen Sowjetstaat.“

Quelle der zitierten Textpassagen: Flyer der Lan­des­hauptstadt Hannover - Künstlerhaus


Zum Vergleich:
Zitierte Texte aus Wikipedia

„Durch die Bekämpfung ihrer Gegner - während der Revolution und des nachfolgenden Bürgerkrieges (1917-1921) entstand eine katastrophale wirtschaftliche Lage.“

„Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror von 1926 bis 1927 gegen seine Widersacher.“

Archiven der ehemaligen Sowjetunion wurde entnommen, „dass ungefähr 800.000 Gefangene unter Stalin exekutiert worden seien, 1,7 Millionen im Gulag gestorben und außerdem 389.000 Kulaken während der Umsiedlung umgekommen seien - insgesamt ungefähr drei Millionen Opfer.“
Quelle: wikipedia
link... Wikipedia: Sowjetunion.

link... Wikipedia: Stalinsche Säuberungen.

link... Wikipedia: Über Dizga Vertov. - Hier geht es zurück
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